
Web 2.0 - jeder kann mitmachen, viele machen mit - und geben ein gewisses Maß ihrer Privatsphäre auf. Blogs sind beliebt. Communitys haben Hochkonjunktur und kaum ein Internetnutzer ist nicht irgendwo angemeldet und teilt sein Leben anderen mit. Ganz vorne dabei – die Berufsblogger. Gemeint sind nicht Gestalten, die für das Bloggen bezahlt werden, sondern Blogger, die über ihren Berufsalltag schreiben. Frustabbau, Unterhaltung, Einblicke in den Alltag sind ihre Motive. Ob Taxifahrer in Ostwestfalen, Einzelhändler in Bremen, Pizzabäcker im Rheinland oder der Bestatter in …. Ja, wo wohnt er eigentlich? Wo arbeitet er? Wo erlebt er die wildesten Sachen rund um das Leben und Sterben? Das weiß niemand. Warum? Er will es der Welt nicht mitteilen. Und bei genauem Hinschauen fällt auch auf, dass der Pizzabäcker aus dem Rheinland eine ähnliche Meinung vertritt.
„Meine Adresse werde ich daher nicht rausgeben und auch nicht hier Werbung für meinen Laden machen. Tut mir leid! Konservatives Kleinstadtmilieu und Web2.0 verträgt sich (noch) nicht wirklich.“ (Quelle: http://pizza.blogg.de/eintrag.php?id=543)
Anders macht es der Paderborner Taxi-Blogger – ihn kennt und erkennt man. Auch ein verfremden lässt es zu, dass seine Fahrgäste sich doch im Blog wieder finden. Unterhaltsam ja – aber den Mist, den man selbst verzapft hat am nächsten Tag an der Uni aufgetischt bekommen? Sätze wie „Hast du heute schon den Taxi-Blog gelesen? Der hatte gestern einen komischen Kunden…“ können da zum Alltag werden und die vermeidlichen Opfer outen.
Noch extremer finden wir den Verlust der Privatsphäre im diversen Communities vor. StudiVZ, SchülerVZ und viele weitere erlauben viel Privates mitzuteilen. Fotos der letzten Feier oder vom Urlaub in der Sonne. Wie man Personen auf Bildern verlinkt ist vielen bekannt. Wie man allerdings dafür sorgt, dass nur wirkliche Freunde die privaten Details lesen und sehen können ist den wenigsten bekannt. So beklagt auch Karsten Neumann, Landesdatenschutzbeauftrager Mecklenburg-Vorpommerns, das die Schüler zu wenig über Datenschutz und die Fallstricke des Internet wissen. (siehe Heise-Artikel: http://www.heise.de/newsticker/meldung/102891) Warum diese Portale die Standard-Einstellungen besagen, dass jeder das nahezu vollständige Profil eines User einsehen kann und man sukzessive Berechtigungen entfernen muss, wenn man privat bleiben will bleibt an dieser Stelle offen. Business-Portale wie Xing nehmen den anderen weg, in dem sie initial nur ein Minimum an Informationen sichtbar machen und der Benutzer explizit festlegen muss, welche Daten von anderen eingesehen werden können.
Web 2.0 – jeder kann mitmachen, viele machen mit. Datensammler freuen sich. Mit wem habe ich es zu tun? Wer ist der neue Kollege? Wer online lebt, lebt öffentlich. Je ausgefallener der Name, desto leichter ist die Recherche. Wo ging jemand zu Schule? Wo hat er gearbeitet? In welchen Vereinen ist jemand aktiv? Wenige Klicks helfen, Informationen zu sammeln.













