Influencer Marketing: Und was empfehlen Sie so?

Influencer Marketing

Ich bin seit 8 Jahren Sky-Kunde und verbringe jede Woche mindestens drei Stunden damit, Bundesliga-, Europapokal- und DFB-Pokal-Spiele meiner Lieblingsmannschaft zu verfolgen.

In den Halbzeitpausen wirbt der Sender aktuell mit Prämien, wenn ich Sky an Noch-nicht- aber-hoffentlich-bald-Kunden weiterempfehle.

Das Prinzip „Empfehlungen gegen Prämie“ ist gängige Praxis in Marketing und Werbung. Ähnlich funktioniert das Influencer Marketing im Web bzw. in den Sozialen Medien.

Was ist Influencer-Marketing?

Ein Unternehmen beauftragt sogenannte „Influencer“, also aktive Youtuber, Blogger und Twitterer damit, ihre Reichweite zu nutzen, um Werbebotschaften oder Produktempfehlungen zu verbreiten. Diese Beeinflusser dienen dabei dem werbenden Unternehmen als Multiplikatoren. Eine sehr clevere Lösung durch Technologie haben beispielsweise die Verlagshäuser der Bertelsmann-Gruppe geschaffen, die auf ihrem gemeinschaftlichen Bloggerportal.de Influencer auf sich zukommen lassen. Web-Publisher können hier gezielt Rezensionsexemplare anfordern, ihre Beleg-Links einreichen und so hat der Verlag nicht nur qualifizierte Inbound-Anfragen, sondern bekommt auch Analyse-Daten frei Haus zurück geliefert.

Was bringen denn solche Marketingaktionen mit Influencern?

Eine ganz simple Rechnung: Ein Fashion-Unternehmen hat in verschiedenen sozialen Kanälen eine Reichweite von 2.000 Followern. Wird über diese Kanäle ein edles paar Designer-Schuhe beworben, so erreicht diese Botschaft im besten Fall eben jene 2.000 Rezipienten (der Tatsache, dass diese Empfänger das stylishe paar Schuhe ebenso weiterempfehlen können, wird an dieser Stelle der Einfachheit halber keine Rechnung getragen).

Wird jedoch ein Multiplikator beauftragt, diese Schuhe in seinem oder ihrem Netzwerk zu bewerben, so erhöht sich die Reichweite um die Gefolgschaft eben jenes Influencers.

Neben den nackten Zahlen gibt es noch ein paar weitere, marketingpsychologische Effekte:

  • Trust: Der Influencer genießt in seinem Netzwerk einen gewissen Grad an Vertrauen – oftmals mehr als das werbende Unternehmen. Neben der Reichweite wird also – schwer messbar – dieses Vertrauen weitervererbt.
  • Indirekte Einflussnahme: Ähnlich wie bei meinem “Sky”-Beispiel bewirbt der Influencer und nicht das Unternehmen das Produkt. Direkte Werbung wird oftmals argwöhnischer betrachtet als Empfehlungen vertrauter Personen und Personenkreise.
  • Copy with Pride: Verhaltensmuster von Vorbildern werden oftmals kopiert. Bis vor ein paar Jahren zählten neongelbe Fußballtreter nicht unbedingt zum modischem Mainstream. Kaum wurden diese von namhaften Testimonials getragen und zur Schau gestellt, gelangten diese rasend schnell auf Amateurfußball- und Bolzplätze.
  • Social Proof: Das Prinzip des Word-of-Mouth-Marketings kombiniert mit sozialer Akzeptanz und künstlicher Verknappung funktioniert übrigens auch ganz ohne – im klassischen Sinne – prominente Fürsprecher. Tupperpartys sind hier ein seit Jahrzehnten bewährtes Paradebeispiel, ebenso wie der immer weitere Verbreitung findene Thermomix-Alleskönner: Produkte, die nicht im Handel, sondern nur über selbstständige Repräsentanten erhältlich sind. Beiden Unternehmen gelingt es, ohne große “Above-the-Line”-Kampagnen, Kunden zu gewinnen und auch zu binden. Zudem haben die Produktpräsentationen einen nicht zu unterschätzenden Eventcharakter. Das Auditorium wiederum fungiert hier als Multiplikator, indem es den eigenen Bekanntenkreis zu diesen Veranstaltungen einlädt.

Für das Online Marketing eröffnen sich in puncto Influencer Marketing ungeahnte Möglichkeiten.

Aus KPI- bzw. Messbarkeitssicht gibt es bei der Auswahl und Erfolgsmessung möglicher Beeinflusser mehrere Kennzahlen:

  • Die Anzahl der Follower (oder: Abonnenten) gibt einen ersten Hinweis über die mögliche Reichweite. Jedoch verrät diese quantitative Zahl noch nicht viel darüber, ob die Posts, Tweets, Videos auch tatsächlich Beachtung finden.
  • Qualitative Kennziffern ergänzen neben der Reichweite die Interaktionsrate der Influencer mit ihrem Publikum, wie z. B. die Anzahl an Retweets, Likes, Kommentare oder Aufrufe.
  • Testimonial-Brand-Fit: Die Multiplikatoren, wie auch die durch sie angesprochenen Zielgruppen sollten eine Affinität zum werbenden Unternehmen sowie seinen Produkten und Dienstleistungen aufweisen. Somit ist gewährleistet, das neben glaubwürdigen Aussagen auch eine ungefähre Erfolgsquote in Aussicht gestellt werden kann.

Zukunftsausblick Influencer-Marketing

Wir dürfen gespannt sein, wie sich das Influencer Marketing in Zukunft entwickeln wird. Sowohl rechtlich: Denn letztlich müssen Productplacement-Inhalte auch als das was sie sind gekennzeichnet werden: nämlich Werbung. Als Lektüre empfiehlt sich hier das Gesetz zum unlauteren Wettbewerb UWG – insbesondere §3 und §4 inkl. Anhänge.

Aber auch technologisch tut sich einiges: Momentan gibt es schon Marktplätze, auf denen sich Influencer bewerben und Unternehmen nach geeigneten Multiplikatoren Ausschau halten können.

Die technische Komponente wird sich zukünftig sicherlich auch noch entwicklen. So werden Bezahlmodelle Schule machen, die sich nicht mit der bloßen Verbreitung von Inhalten begnügen, sondern erfolgsabhängig gestaltet werden. Amazon vergütet über das Affiliate Marketing seine Multiplikatoren anteilig am Verkaufspreis des verlinkten Produktes (sofern der Käufer seine Transaktion über eben diesen Link tätigt). Ähnlich wird das Influencer Marketing funktionieren. Über eine Parametrisierung der URL werden Rückschlüsse gebildet, aus welcher Quelle die Transaktion stammt.

Hier steckt Musik drin. Und nicht zu wenig.

Über Benjamin Heilmann

Benjamin Heilmann kümmert sich als Account Manager bei comspace um die Bestands- und Neukundenbetreuung. Nach dem Studium der Politikwissenschaften entschied er sich gegen eine Karriere als Taxifahrer. 50% seiner Freizeit dreht sich um die Familie. Der Rest der Aufmerksamkeit gilt seiner Xbox, Borussia Mönchengladbach und seinem Blog www.fertigsuppenkasper.de
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Kommentare

  1. meint

    Hallo Benjamin, vielen Dank für die schöne Zusammenfassung des Themas. Besonders wichtig finde ich deinen Kommentar zur Kennzeichnung des Productplacements. Wie wirksam eine solche Kennzeichnung allerdings ist, bleibt zu diskutieren. Ganz interessant finde ich in dem Zusammenhang eine Studie unter britischen Kindern, die zeigte, dass 31 Prozent der befragten 12- bis 15-Jährigen trotz Kennzeichnung nicht zwischen Werbung und den Suchergebnissen auf Google unterscheiden könnten.
    http://www.theverge.com/2015/11/20/9768350/google-ads-search-results-ofcom

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