Warum UX bald auch für Consumer-Produkte entscheidend ist

UX Consumer Devices

User Experience (UX) und UX-Design: Für Webagenturen zentrale Elemente für den Erfolg einer Webseite. UX ist in der Software-Industrie seit Jahren ein Differenzierungs-Faktor; Nutzer verzeihen einer Software keine schlechte UX und wechseln schnell zu alternativen Lösungen, wenn diese eine bessere Experience versprechen. Auch bei Neuanschaffungen von Investitionsgütern spielt UX eine Rolle. Bald wird das auch für hochpreisige Consumer-Produkte gelten. „Warum UX bald auch für Consumer-Produkte entscheidend ist“ weiterlesen

Warum die Begeisterung für’s Programmieren mehr zählt als das Informatik-Studium

Lebenslauf vs. Anschreiben

…und ich deshalb lieber Anschreiben als Lebensläufe lese.
Vor einigen Monaten wurde die Diskussion um Pro und Contra von Bewerbungsanschreiben in meine Twitter-Timeline gespült. Im Blog von Mr. Arbeitgebermarketing Henner Knabenreich ging es z.B. um die Frage ”Stellenanzeige oder Anschreiben: Was stirbt zuerst?” Es geht bei der Frage, ob man Bewerber_innen das Formulieren eines Anschreibens zumuten möchte, auch um den Wunsch nach einer guten Candidate Experience, ist klar. Ein gutes Anschreiben zu formulieren kostet Zeit und die ist oft knapp bemessen.

Warum das Bewerbungsanschreiben nicht tot, sondern nur zu oft falsch eingesetzt wird (z.B. als ausformulierte Wiedergabe des Lebenslaufs), hat auch schon Stefan Scheller vor fast einem Jahr im Persoblogger gut zusammengefasst.
Für mich ist diese Diskussion in der letzten Zeit zu einem guten Beispiel für den sich verändernden Fachkräfte- und Recruiting-Markt geworden. Worauf müssen sich HR-Bereiche einstellen, wenn sie qualifizierte Entwickler_innen, IT-Profis etc. finden möchten? Wie aussagekräftig können formale Stationen bei IT-Berufen sein? Woran erkennt man gute Entwickler_innen?
Meine Erfahrungen, Schlussfolgerungen und drei Recruiting-Tipps, möchte ich hier mit euch teilen:

MINT macht nicht automatisch digital

Auf Veranstaltungen oder bei Bewerbungsgesprächen treffe ich immer mal wieder auf Studierende, die sich einen Einstieg in die Digitalbranche vorstellen könnten, aber wenig bis keinerlei Bezug zur IT oder Web-Entwicklung haben – und das, obwohl sie in MINT-Studiengängen studieren. (Was das über die Praxisnähe unserer Studiengänge aussagt, kann gerne nochmal an anderer Stelle diskutiert werden.) Ein bestimmter fachlicher Studiengang ist also noch längst keine Garantie für die Affinität zur Digitalbranche.

 

“Richtig” Programmieren lernt man in der Freizeit

Bei unseren Vorstellungsgesprächen treffen wir immer mehr Bewerber_innen, die einen “untypischen” Lebenslauf haben (z.B. keinen informatikbezogenen Studiengang/Ausbildung, abgebrochenes MINT-Studium, abgebrochene Ausbildung, …) und die trotzdem großartige Entwickler_innen sind. Oder wie es ein Bewerber in unserem Kennenlerngespräch sagte:

Ich bin überzeugt, dass man Programmieren nicht in der Schule lernt.

…und auch nicht in der Uni”, möchte ich hinzufügen. Engagement beim Programmieren lernt man nicht in zwei Schul- oder Semesterwochenstunden. Ein Arzt lernt ja auch nicht (nur) im Medizinstudium, sondern durchs praktische Ausüben.

Ohne Frage: Studieren bildet

Natürlich ist ein Studium wertvoll und neben rein fachlichem Wissen erwirbt man in der Regel viele Kompetenzen (Selbstorganisation, eigenständiges Erarbeiten neuen Wissens, Fähigkeit zu analytischem Denken), die auch in der Web-Entwicklung und generell einem agilen Arbeitsumfeld voller Wissensarbeiter enorm wichtig sind. (Leseinspiration hierzu: Das ZEIT-Interview „Bildung beginnt mit Neugierde“ mit Philsoph und Schriftstellter Peter Bieri) Ich möchte hier also gar nicht das Studium an sich klein reden. Was mir aber in den letzten Jahren im Recruiting bei comspace immer wieder auffällt ist, dass ein MINT-Studium nicht automatisch gute Entwickler_innen hervor bringt.

Du möchtest (besser) programmieren lernen, weißt aber noch nicht genau wie oder wo?

Hier ein paar (überwiegend kostenlose) Probiertipps:

  • Learn to code! Kostenlose Online-Kurse gibt es bei codecademy
  • “The world’s best online courses” von Top-Unis gibt’s bei Coursera
  • IT-Stipendien und Code Competitions gibt’s bei den IT Talents
  • “Coden, proggn, Sachen machen” kannst du in der Hacker School
  • Ein Programmier-Studium gibt es neuerdings bei der Code University in Berlin

 

comspace ist ein bunter Haufen von Profis

Wer unser Blog verfolgt weiß, dass ich gerne auf unrepräsentative, aber aussagekräftige Eigenbeispiele zurückgreife, z.B. wenn es um gutes Arbeiten, Begeisterungsfähigkeit und Eigeninititative geht. Bei comspace sind wir vermutlich unser bester praktischer Beweis dafür, dass man nicht unbedingt ein abgeschlossenes MINT-Studium braucht, um gute Webanwendungen entwickeln zu können. Hier einige Beispiele, welchen formalen Background unsere Kolleg_innen in der Web-Entwicklung haben:

  • Informatik-Studienabbrecher, die “was praxisbezogeneres machen” wollten
  • Abgebrochenes Erststudium, dann mehrere Jahre Berufserfahrung + aktuell nebenberufliches Informatikstudium
  • Ausbildung zum Fachinformatiker (alle Azubis haben schon VOR Beginn ihrer Ausbildung privat gerne programmiert)
  • Erstausbildung Physiotherapeut + zweite Ausbildung zum Fachinformatiker
  • Ehemalige Mathe-, Jura- und Philosophiestudierende, die kurz vor dem Abschluss die Uni abgebrochen haben, weil sie ihre Leidenschaft für die Web-Entwicklung entdeckten
  • Ehemalige freiberufliche Web- oder Software-Entwickler
  • Mathe- und Informatik-Uniabsolventen
  • Abgeschlossene Chemielaborantenausbildung, jetzt Fachinformatiker-Ausbildung

Dass sie alle fachlich Expert_innen auf ihrem Gebiet sind, sich intensiv und selbständig weiterbilden, vernetzen und austauschen, liegt an ihrer Begeisterung fürs Programmieren. Wie könnte das ein einfacher Lebenslauf widerspiegeln?

Ergebnisse aus der Stack Overflow Entwicklerumfrage 2017

Bestätigung erhält unsere Selbsteinschätzung durch die letzte Stack Overflow Entwicklerumfrage, nach der 93% der Entwickler_innen ihre Fähigkeiten zumindest teilweise autodidaktisch (also unabhängig von einem Studium oder einer Ausbildung) erlernt haben. Dazu passt, dass drei Viertel der Befragten (77%) auch nach der Arbeit als Hobby programmieren und sich auf diesem Weg wertvolle Fähigkeiten und Wissen aneignen. Wie sieht es denn mit der Dauer der fachlichen Erfahrung aus? Bei vielen befragten Entwicklern übersteigt die kumulierte Zeit der Entwicklererfahrung sogar die Berufserfahrung. Die Macher der Studie folgern daraus, dass “Recruiter, die nur auf das Alter oder das Jahr des Uniabschlusses schauen, die Erfahrung eines Software-Entwicklers oft falsch einschätzen”.

#TeamAnschreiben

Wenn ich mich zwischen Lebenslauf und Anschreiben bei der Einschätzung einer Bewerbung entscheiden müsste, wäre ich nach all den oben genannten Argumenten im “Team Anschreiben”. Zeugnisse lese ich schon lange nicht mehr (Kennt jemand eine Studie über den Vergleich zwischen der Mathe-Abiturnote und dem späteren beruflichen Erfolg als Entwickler_in? Daran wäre ich sehr interessiert!). Gute Anschreiben dagegen finde ich ziemlich aussagekräftig. Und mit “gut” meine ich nicht, stilvoll bis ins Detail ausformuliert, sondern authentisch, informativ und individuell. Dass auch das manchmal schwierig zu bekommen ist, kann ich nicht abstreiten und Kristin Wallat hat es im Blog der Ministry Group treffend als “Risiko Indivdualität” beschrieben. Trotzdem bleibe ich optimistisch und glaube an das eigentlich Gute im MenschenAnschreiben. Deswegen, liebe Bewerber_innen: Nutzt das Anschreiben, um über den Lebenslauf hinaus zu gehen, eure Motivation und eure fachlichen Highlights deutlich zu machen.

Meine Ideen für mehr Erfolg im IT-Recruiting

  • Lest den CV als das, was er ist: Eine aufs Kürzeste reduzierte Timeline formaler Stationen – nicht weniger, aber auch nicht mehr.
  • Ermuntert eure Bewerber_innen zu einem gehaltvollen Anschreiben. Dafür müsst ihr wahrscheinlich in Vorleistung gehen: Die Texte auf euren Jobseiten sollten dem entsprechen, wie ihr später auch mit den Menschen im Unternehmen redet, also seid auch ihr authentisch, informativ und individuell. Wir haben z.B. seit einiger Zeit Leitfragen zur Orientierung bei der Bewerbung unter unseren Stellenangeboten.
  • Behaltet trotzdem die Candidate Experience im Blick. 😉
  • Seid offen für neue Recruiting-Wege, über die ihr Alternativen zum Anschreiben bietet und eure Zielgruppe wirklich kennenlernen könnt. Inspiration gibt’s z.B. im Frechmut-Blog von Jörg Buckmann oder zu unserer SMS-Recruiting-Aktion – bei der wir übrigens auch bewusst nicht nach Schulabschluss, sondern nach Programmiererfahrung, dem tollsten Projekt oder dem liebsten digitalen Tool gefragt haben.
  • Umdenken ist angesagt. Macht es wie Jeff Weiner, der CEO von LinkedIn. Sein neues Recruiting-Credo bringt es wunderbar auf den Punkt: ”Skills, not degrees”.

Nachtrag vom 24.07.2017

In der vergangenen Woche erschien ein passender Artikel zum gleichen Thema, aber mit anderer Perspektive auf das Bewerbungsanschreiben: „Die Recruitment-Leiterin von Henkel erklärt, warum sich Bewerber das Anschreiben sparen können.“ Der Betonung auf den persönlichen Kontakt kann ich absolut zustimmen, der (natürlich) immer aussagekräftiger ist als ein Anschreiben. Trotzdem würden sich für mich Anschreiben und Telefonkontakt nicht ausschließen.

Die Diskussion bleibt spannend, wie auch die Kommentare unter dem Tweet zeigen.
Was meint ihr: Wie hoch ist das Risiko, ohne Anschreiben wertvolle Kontextinfos zu privaten Interessen & Projekten, nicht-beruflicher Programmiererfahrung etc. außer Acht zu lassen? Wonach beurteilt ihr Bewerbungen? Was kann weggelassen werden?

Warum die Unternehmenskultur bei comspace Blüten treibt

Bei comspace ist das Thema Unternehmenskultur allgegenwärtig. Naja, fast. An allen Ecken und Enden begegnen dem neuen Mitarbeiter (so wie mir) neue Dinge, Aktionen, Ideen. Ein kleines Beispiel gefällig? Seit kurzem hängt im Eingang eine Dankstelle:

Das ist niedlich, spielerisch, aber erfüllt auch (s)einen Zweck. Immer wieder erfreuen wir uns an Dingen, die andere getan haben und viel zu selten bedanken wir uns. Nicht aus böser Absicht, sondern einfach weil wir dem Anderen vielleicht gerade nicht über den Weg laufen und dann ist der Gedanke wieder im Alltag verschwunden.
Über die Dankstelle können wir zwischendurch einfach mal ein “Danke” aufschreiben.

Danke für das nette Feedback gestern.
Danke für den Kaffee.
Danke für Deine Hilfe.

Danke für Alle(s)?

Die Dankeschöns sind öffentlich und für jeden sichtbar und das unterscheidet die kleinen PostIts von dem mündlichen Dankeschön. Es zeigt jedem Betrachter – ob nun Mitarbeiter oder Externer – dass wir mehr danken und zu verdanken haben als es uns (vielleicht) klar ist. Ich persönlich glaube, dass solche Dinge grundsätzlich die Einstellungen aller beeinflussen.
Nicht jeder Mitarbeiter will danken oder an “comspace in Bewegung” teilnehmen oder andere Angebote wahrnehmen, die der Unternehmenskultur entspringen. Und das ist auch gut so. Auch das ist Ausdruck der Freiheit, die sich comspace ein Stück weit auf die Fahnen geschrieben hat. Selbst diejenigen, die beim Thema Dankstelle dankend (sic!) abwinken, nehmen sie wahr – bewusst oder unbewusst.

Talent geben, Freude nehmen

Ein weiteres Ergebnis dieser Einstellung ist die Initiative „Spende Dein Talent“ von comspace. Mitarbeiter stellen auf einer Web-Plattform ihre Talente oder Neigungen vor und bieten Mini-Events an. Das können ganz offene Treffen sein, sie können aber auch Kurs-Charakter haben. Andere Mitarbeiter können sich über die Plattform anmelden.

Der Sinn: Anhand der Talent-Events bilden sich informelle Netzwerke zwischen den Menschen, die sonst vielleicht nie entstanden wären. Das fördert Austausch, Lernen und Empathie. Ein Versuch, Spende Dein Talent in einem Satz zu beschreiben: “ein digitaler Weg zu analogen Netzwerken in Unternehmen”.
Bei comspace werden diverse Aktivitäten über “Spende Dein Talent” koordiniert. Da ist die in vielen Unternehmen vorhandene Laufgruppe, aber auch Spieleabende, gemeinsames Waffeln backen, Meditation oder Fahrrad reparieren werden angeboten.
Aus der Agentur-internen Initiative ist mittlerweile ein eigenes Produkt gewachsen. Die Human Relations-Szene begrüßt “Spende Dein Talent” mit offenen Armen. 2016 gewann comspace für die Initiative den Personalmanagement Award und immer wieder landen Einladungen zu Vorträgen und Sessions im Briefkasten.

Graswurzel-Bewegung für den guten Zweck

Business Developement Managerin Hanna Drabon entwickelte die Idee 2015, als in Nepal die Erde bebte und Millionen Menschen in Not gerieten. Damals war “Spende dein Talent” noch mit einer monetären Spende verbunden. Die Teilnehmer der Mini-Events gaben nach Lust und Laune und völlig ohne Zwang eine kleine Summe, die dem großen gemeinsamen Ziel zu Gute kommen sollte.

Zerstörte Häuser in Kathmandu
Zerstörte Häuser in Kathmandu (Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/User:Superikonoskop)

“Ich wollte einen Weg finden, um so nachhaltig wie möglich zu helfen. Gleichzeitig hatten wir uns bei comspace darüber Gedanken gemacht, wie wir die digitale Welt und unsere Werte (sowohl als Unternehmen als auch als Person) zusammenbringen können.“

Die Initiative und ihre Umsetzung als digitale Plattform war dann im Rückblick im Umfeld einer Digitalagentur einfach naheliegend. In Nepal wurden von dem Geld direkt vor Ort Schlafsäcke angeschafft.
An diesem Punkt hätte “Spende Dein Talent” auch wieder verschwinden können; ein einmalige Lösung für ein spezifisches Problem. Klappe zu, Affe tot. Den Beteiligten war aber klar, dass sie hier auf etwas Größeres gestoßen waren. Die Veränderungen in der Kommunikation, im (fachlichen) Austausch und in der Arbeit waren zu stark, um ignoriert zu werden.

Geld ist nicht alles

Im Laufe der Entwicklung ist das monetäre Spenden in den Hintergrund gerückt. “Wir haben mit der Zeit gemerkt, dass das Spenden von Geld nicht die Hauptsache war. Das Spenden des Talents und die neuen Vernetzungen, die dabei entstehen, waren das Entscheidende.”
„Spende Dein Talent“ ist gleichzeitig Methode, Plattform und kulturelles Statement. Dafür interessieren sich viele namhafte Unternehmen. Die Benteler International AG, die hmmh multimediahaus AG und mit Project A eins der größten Venture Capital-Unternehmen Deutschlands sind unter den ersten Unternehmen auf der Plattform.
Das Bewusstsein für das Glück des Mitarbeiters als Unternehmenswert ist mit Trends wie Feelgood-Management gestiegen. Zudem suchen immer mehr Unternehmen – gerade Großunternehmen – nach Wegen, wie sie an Attraktivität als Arbeitgeber gewinnen können.

Woher kommt der Antrieb, wenn nicht von innen?

Die Initiatoren Hanna Drabon und Tillmann Mißfeldt sind mittlerweile “Intrapreneure” und treiben die Verbreitung dieser Idee voran. “Spende Dein Talent” lässt die Stärken des Einzelnen zu Tage treten und die bilden den Nährboden für weitere Innovation. Bei comspace ist aus dem ursprünglichen Altruismus von Mitarbeitern und Chefs eine altruistische Innovation geworden, die viele positive Effekte auf das Unternehmen selbst hat. Daraus erwächst ein Produkt, das zudem Profite abwerfen kann (und wird). Eine schöne Geschichte, oder?

Welche Auswirkungen hat die Blockchain-Technologie auf Plattform-Infrastrukturen?

Blockchain und Content Management Systeme

Blockchain ist ein Trend – falsch, Blockchain ist ein Technologiekonzept, das seit Jahrzehnten erforscht und nun real wurde. Ansätze, wie z.B. digitale Dokumente mit verketteten Zeitstempeln zu versehen, stammen sogar aus dem Jahre 1991. Breites Interesse erzeugte die Technologie mit der zunehmenden Popularität von Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ether.

Was ist die Blockchain?

Sehr vereinfacht dargestellt, ist die Blockchain ein öffentlich einsehbares Kassenbuch von dem jeder Teilnehmer innerhalb des Blockchain-Netzwerks eine (komplette) Kopie besitzt. Dadurch erlangt das System Fälschungssicherheit und Transparenz – eine Änderung könnte ja immer nur im eigenen Kassenbuch geschehen, nicht in den der anderen Teilnehmer.
Verschlüsselt werden dort Transaktionen chronologisch dokumentiert und können rückwirkend nicht mehr unbemerkt manipuliert werden. Die enorme Ausfallsicherheit, z.B. gegenüber Serversystemen, erreicht die Blockchain-Technologie durch die dezentralisierte Verteilung auf alle Teilnehmer; Stichwort Peer2Peer.
https://www.youtube.com/watch?v=e1D5D_uz5mM

Warum kann die Blockchain-Technologie alle Branchen verändern?

    1. Sie bietet eine hohe Sicherheit, da Manipulationen an der Mehrheit der Kassenbücher vorgenommen werden müssten und dies in einer bestimmten Zeit, um Auswirkungen zu haben. Weiterhin ist eine Blockchain unabhängig und wird nicht durch einzelne Instanzen zensiert, reguliert oder kontrolliert.
    2. Durch die sichere Datenaufbewahrung steigt auch das Vertrauen in die Lösungen, welche auf der Technologie realisiert werden. Die Kontosperrung von PayPal im Fall der Wikileaks-Enthüllungen machte deutlich, wie Finanzunternehmen auch politisch unter Druck geraten können.
    3. Die weltweite Verfügbarkeit reduziert Barrieren und eröffnet u.a. Menschen in instabilen Staaten Zugang zu Banking und Eigentum.
    4. Verbreitete Informationen erlangen Gültigkeit durch Eintrag in die Blockchain, gleichzeitig gewährleistet kryptografische Verschlüsselung auch die Anonymität der Daten

Die Blockchain ist eine Grundlagentechnologie, wie z.B. ein TCP/IP-Protokoll, dadurch erlangt sie zunehmende Akzeptanz und stellt die Grundlage weiterer Anwendungen dar. Google Trends unterstreicht das wachsende Interesse.

Suchanfragen zur Blockchain-Technologie
Weltweites Interesse an der Blockchain-Technologie – (c) google

Der Nutzen der Blockchain geht aber über die Kryptowährungen weit hinaus. Bezahlprozesse am Point-of-Sale oder im e-Commerce werden vereinfacht und beschleunigt. Waren können von der Herstellung bis zur Auslieferung an Händler lückenlos in einer Blockchain dokumentiert werden z.B. um eine Kühlkette transparent zu dokumentieren.
Derzeit gibt es mehrere verschiedene Blockchains, die sich im Ansatz unterscheiden – welche davon sich langfristig durchsetzen wird, kann derzeit noch nicht beurteilt werden. Maßstäbe prägen werden große Konzerne wie Microsoft oder IBM, die in vielen Konsortien die Potenziale und Einsatzbereiche erforschen.

Ein Blockchain Use-Case

Das Prinzip von Know-Your-Customer (KYC) betrifft vor allem Finanzinstitute, die ihren Handelspartner in einem Transaktionsgeschäft eindeutig identifizieren müssen, um Geldwäsche oder ähnliche kriminelle Handlungen zu verhindern. Denkt man diesen Ansatz weiter, kann in einer Blockchain ein eindeutiges Nutzerprofil angelegt werden, das den Nutzer an vielen Schnittstellen identifizieren kann. Das deutsche Unternehmen Blockchain Helix hat dazu eine Lösung auf Basis einer privaten Blockchain entwickelt, die es dem Nutzer ermöglicht, die Kontrolle über die einsehbaren Nutzerdaten über eine Art Rechteverwaltungs-Oberfläche zu behalten.

Welche folgenden Eigenschaften einer Blockchain sind dem deutschen Mittelstand bekannt?
(c) eco

Vorteile für den Nutzer:

Möchte der Nutzer zum Beispiel Waren in einem Onlineshop kaufen, könnte dieser Händler benötigte Nutzerdaten abfragen. Diese Abfrage erscheint dann beim Nutzer, welcher die abgefragten Daten passgenau freigibt (oder dies automatisch über zugewiesene Rollen erlaubt). So hat der Nutzer mehr Kontrolle über die freigegebenen Daten und der Kaufprozess kann nochmals beschleunigt werden. Überprüfen Sie das an sich selbst: Wo haben Sie überall online ein Konto erstellt, dem Händler oder Webseitenbetreiber Rechte eingeräumt und wann haben Sie die Daten zuletzt aktualisiert?

Vorteile für Händler:

Auf der anderen Seite profitiert der Händler ebenfalls von effizienteren Prozessen und eindeutigen Nutzerdaten. Zudem hat der Nutzer ein eigenes Interesse daran, die Daten immer aktuell zu halten – da sich falsche Daten auf seine Nutzererfahrung und Warenlieferung negativ auswirken würden. Weiterhin besitzt man als Betreiber einer Website ein eindeutiges Nutzerprofil und kann dieses auch über mehrere Webseiten verfolgen und mit Nutzungsdaten aggregieren. Kombiniert man die verfügbaren Nutzerdaten mit den erzeugten Daten im Kaufprozess, ist eine effektive personalisierte Ansprache möglich und verbessert die Customer Journey. Hierzu müssen Daten aus der Blockchain natürlich in das Content Management System oder die Marketing-Plattform eingespeist werden.
Prozesse können durch sogenannte „smart contracts“ verschlankt und automatisiert werden. Die Kosten reduzieren sich zudem durch sinkende Stammdatenpflege, aber auch durch günstigere Zahlungskonditionen – siehe Grafik.
Infografik: Bitcoin ist günstiger und schneller | Statista
(c) Statista
Voraussetzung ist natürlich, dass Anwendungen der bisherigen Infrastruktur in die Blockchain schreiben und neue Einträge in das eigene Kassenbuch holen können. Konnektivität ist daher genauso entscheidend, wie die Verfügbarkeit akzeptierter und verbreiteter Anwendungen, ähnlich wie die Paymentintegrationen für Shops per Bitcoin.

Welche Auswirkungen hat die Blockchain-Technologie auf Plattformen und verbundene Services?

Jeder, der sich im Umfeld umfangreicher Infrastruktur-Landschaften bewegt, wird in den kommenden Jahren mit der Technologie konfrontiert werden. Durch die Reduzierung von Kosten, die Vereinfachung von Prozessen oder die gesteigerte Sicherheit werden Partner, Lieferanten oder Wettbewerber diese Technologie früher oder später für sich entdecken.
Ebenso kann die marktseitige Nachfrage nach Blockchain-basierten Applikationen und Lösungen durch die Kunden und Nutzer getrieben werden. Das Bitcoin-Wiki liefert eine sehr umfassende Liste der Orte, wo derzeit mit Bitcoin bezahlt werden kann. Die Coinmap liefert eine geografische Übersicht der Bezahlmöglichkeiten. Bekannte Namen sind unter anderem WordPress, Expedia, Microsoft oder Bloomberg.
Wie so oft bei Innovationen werden die frühen Lösungsanbieter die Weichen stellen und auch die Plattform-Landschaft beeinflussen können. Es gibt bereits Payment-Modelle, die instore als Hardwarelösung angeboten oder per Smartphone abgewickelt werden können.

#Varoufake war nicht nur ein gelungener Seitenhieb auf die Medien, sondern verdeutlichte auch die Notwendigkeit Informationen hinsichtlich ihrer Quelle und Herkunft zu kennzeichnen. Die Blockchain kann dabei helfen, Informationen bis zum Ursprung zurückzuverfolgen, Manipulationen zu erkennen und auch den Ersteller von Falschmeldungen zur Rechenschaft zu ziehen oder eine journalistische Quelle für mehrfach geteilten, gelesenen und verbreiteten Content zu vergüten.

Content Publisher

Durch die Registrierung von Content in der Blockchain können Autoren und die Quelle von Inhalten eindeutig durch Signaturen gekennzeichnet werden. Momentan gibt es Lösungen für Content Publishing und Content-Auslieferung auf Blockchain-Basis, z.B. von https://decent.ch/ und https://popchest.com/, welche auch Advertising rund um Content ganz neu interpretieren. Eine eindeutige Rechteverwaltung und Autorenidentifizierung von erstellten Inhalten verspricht http://jaak.io/.

Content Management

Im Fokus stehen zwar derzeit Ersteller und Distributoren von Inhalten, jedoch werden mittelbar auch angebundene Datenbanksysteme wie Digital Asset Management (DAM) oder Product Information Management (PIM) von den technischen Möglichkeiten profitieren. Umfassenden Mehrwert bieten die Systeme, wie sonst auch, im Verbund mit Content Management Systemen oder Marketing-Plattformen.
Eindeutige digitale Signaturen finden bereits vielfach Anwendung z.B. in Form von  Zugangsbeschränkungen bei PDFs, Kennzeichnung von Dokumenten oder Verträge oder im Behördenschriftverkehr. All diese Schnittstellen können durch die Blockchain-Technologie beschleunigt und automatisiert werden. Wie anwenderseitig die Kommunikation und das Content Marketing von morgen beeinflusst wird, beleuchtet die W&V in diesem Artikel.
Paperchain.io Vergütung von Content
(c) paperchain.io
Blockchain, Data Analytics sowie künstliche Intelligenz werden voneinander profitieren, um immer bessere regelbasierte Entscheidungen und Vorhersagen treffen zu können. Und auch diese Daten müssen gewonnen, zusammengeführt und ausgewertet werden. Die Herausforderung ist dass Anwendungen an den Schnittstellen reibungslos kommunizieren können. Paperchain ist so ein Anwendungsfall. Auf Basis von Metadaten können Musiklabels über verbundene Plattformen die gespielten Songs korrekt mit dem Künstler abrechnen. Die Plattformen können wiederum die Bedürfnisse ihrer Kunden besser verstehen und bedienen. Wie die GEZ das wohl findet?

Was kommt als nächstes?

Die zunehmende Digitalisierung unserer Gesellschaft verstärkt auch die Nachfrage und den Handel mit digitalen Gütern. Popularität erlangte die Blockchain über die alternative und digitale Kryptowährung Bitcoin und verändert bereits jetzt den Finanzmarkt disruptiv.


Wie weit die Technologie auch in weiteren Branchen verankert sein wird, hängt von der Branche und deren Digitalisierungsgrad ab. Staaten wie Estland zeigen eindrucksvoll, dass selbst konservative Behörden mit hohen Sicherheitsansprüchen sensible Gesundheitsdaten erfolgreich über die Blockchain verwalten können.
Zuerst werden in Deutschland jedoch Unternehmen im digitalen Güterverkehr, zugehörigen Services und Technologien betroffen sein. Die Frage ist also nicht ob, sondern wann Ihre Systeme, Infrastrukturen und Geschäftsmodelle von der Blockchain beeinflusst werden und in welchem Umfang sich Veränderungen positiv oder negativ auf Sie auswirken können.
Müssen Sie jetzt also Angst um Ihr Business haben? Nein, Angst ist natürlich fehl am Platz. Aber wie bei jeder größeren Veränderung im Umfeld Ihres Unternehmens sollten Sie wachsam sein und die Entwicklungen kontinuierlich beobachten. Und vielleicht ist es ja bereits an der Zeit, einen ersten Testballon in Form eines Pilotprojekts auf Blockchain-Basis für Ihren speziellen Anwendungsfall auf den Weg zu bringen, um nicht in naher Zukunft hinten anzustehen. Einige Fuhrunternehmen, die vor 100 Jahren den Sprung vom Pferd zum Motor gemacht haben, existieren noch heute.