Meine Zertifizierung zum "Sitecore® Certified Platform Associate Developer" – ein Erfahrungsbericht

Hallo, mein Name ist Tim und ich habe vor sechs Monaten bei comspace als Web Developer angefangen. Unser Team entwickelt professionelle Websites mit Sitecore. Vor drei Monaten habe ich meine Zertifizierung zum “Sitecore® 9.0 Certified Platform Associate Developer” erfolgreich abgeschlossen. Weshalb so eine Zertifizierung notwendig ist, wie sie abläuft und wie eine optimale Vorbereitung aussehen kann – das erfahrt ihr hier.

Obwohl ich über langjährige Erfahrungen als Developer im Web- und CMS-Umfeld verfüge, ist der Einstieg in Sitecore eine Herausforderung und auch nach sechs Monaten noch nicht abgeschlossen. Es gibt einfach so viel zu entdecken und so viele Themenbereiche, auf die man sich spezialisieren kann.
Zum Glück gibt es im Web viele gut gemachte Tutorials und Videos, die besonders zu Beginn bei der täglichen Projektarbeit unterstützen. Auf lange Sicht kommt man jedoch nicht um eine Sitecore Zertifizierung herum. Zum einen wird dadurch eine gewisse Sitecore Expertise bescheinigt, zum anderen genießt man erst dann die Vorteile der Sitecore Community und erhält vollen Zugriff auf offizielle Downloads und Sitecore Produkte.

Damit man sich „zertifizierter Sitecore Entwickler“ nennen darf, muss man ein kostenpflichtiges eLearning von Sitecore durchlaufen und im Anschluss einen Multiple Choice Test mit geforderter Mindestpunktzahl absolvieren.
Den Test habe ich im ersten Versuch geschafft und damit meine Zertifizierung erhalten. Aber ohne eine gewissenhafte Vorbereitung wäre das sicherlich nicht gut gegangen.

Sitecore bietet auf seiner eLearning-Plattform für verschiedenste Zielgruppen Online-Kurse an. Die Kurse bestehen aus Schulungsunterlagen, Bildschirmpräsentationen, Videos und “Labs”, in denen der Schüler in einer lokalen Entwicklungsumgebung die verschiedensten Aufgaben löst.
Die Kursauswahl / -Buchung erfolgt über die Seite https://elearning.sitecore.net/

Von der angezeigten „voraussichtliche Kursdauer“ sollte man sich übrigens nicht verunsichern lassen, denn die tatsächlichen Zeiten sind in der Praxis viel höher: Man wiederholt einzelne Lernabschnitte oder man probiert Dinge in Visual Studio und Sitecore länger und intensiver aus, als von Sitecore veranschlagt.  Diese Erfahrung haben auch andere Teammitglieder in früheren Zertifizierungen gemacht.

Vorbereitung Teil 1 – Der kostenlose eLearning Kurs für Sitecore Einsteiger

Im Vorfeld empfiehlt es sich sich das kostenlose „Sitecore Developer Foundations eLearning“ zu durchlaufen. Hier wird ein Basiswissen über Sitecore und seine Tools (Experience Editor, Content Editor, Architektur) vermittelt und man kommt mit Wordings wie „Templates“ und „Items“ in Berührung. Das Tutorial wird in Form einer Bildschirmpräsentation mit Videos im Browser durchlaufen und immer wieder durch und sog. “Labs” unterbrochen, in denen man nach einer PDF-Anleitung Übungsaufgaben in der eigenen lokalen Entwicklungsumgebung durchführt. U.a. setzt man eine neue Sitecore Instanz auf, um anschließend Layouts / Views erweitert und C# Klassen erstellt. Am Schluß jeder Einheit gibt es einen Wissenstest, den man beliebig oft wiederholen kann.

Vorbereitung Teil 2 – Echte Projektarbeit

Ein weiterer wichtiger Baustein meiner Vorbereitung war der frühe Einstieg in die tägliche Projektarbeit. 2-3 Wochen nach meinem Arbeitsantritt habe ich erste JIRA-Tickets übernommen. Sicherlich hat man zu Beginn eine langsam ansteigende Lernkurve, aber man baut ziemlich schnell mehr und mehr Wissen auf. So konnte ich in den ersten Wochen mein erstes Feature-Modul entwickeln (eine Bildergalerie), Code Reviews durchführen, Pull Requests genehmigen und mit Content Editor, Experience Editor und Sitecore Rocks arbeiten. Man wird zudem damit konfrontiert, Entwicklungsumgebungen lokal aufzusetzen und SOLR zu installieren.

Vorbereitung Teil 3 – Der kostenpflichtige eLearning Kurs für angehende Sitecore Developer

Für meine Zertifizierung habe ich nach Rücksprache mit dem Teamleiter den kostenpflichtigen Kurs “Sitecore Platform Essentials for Developers eLearning“ gebucht.

Dieser Kurs besteht aus 8 Modulen:
Module 1 – The Sitecore Experience Platform
Module 2 – Creating the Sites Structure
Module 3 – Creating the Sites Presentation
Module 4 – Increasing Component Reusability
Module 5 – Applying Navigation Practices Within the Site
Module 6 – Configuring and Extending Sitecore
Module 7 – Working with Complex Field Types
Module 8 – Implementing Search Driven Components
Der Ablauf der Online Schulung gleicht dem kostenlosen eLearning Kurs für Sitecore Einsteiger: Im Browser wird eine mehrstündige Bildschirmpräsentation mit Demo-Videos gezeigt. Unterbrochen werden die Lerninhalte wie schon in dem Einsteiger Kurs durch „Labs“: Hier wechselt man vom Zuschauer- in den „Ärmel-hochkrempeln- und-selber-machen“-Modus. Die Instruktionen und Arbeitsschritte stehen in einem mehrseitigem PDF mit dem Namen „Sitecore Platform Essentials for Developer eLearning Student Lab Guide“.

Jedes der acht Module endet mit einem Wissenstest, bei dem man jeweils 4 Multiple Choice Fragen beantworten muss. Die Kursinhalte stehen nach der Kursbuchung ca. 4 Monate zur Verfügung. Das bietet einem die Möglichkeit immer wieder mal reinzuschauen und Dinge bei Bedarf zu vertiefen. Sitecore empfiehlt die Zertifizierung 2-4 Wochen nach Abschluss der Schulung anzugehen. Ich habe ca. 4 Wochen nach Abschluss der Schulung die Zertifizierung durchgeführt. Das erscheint mir ein vernünftiger Zeitraum, der ausreichend Zeit für die Vorbereitung bietet.

Vorbereitung Teil 4 – Lernhilfen

Erstellung einer eigenen Kurszusammenfassung: Da ich nicht der Lerntyp bin, der mit stundenlangen Videos dauerhaftes Wissen erlangt, habe ich die Präsentationen ein zweites Mal angeschaut und die Inhalte in Form einer Liste mitgeschrieben. Dieser zweite Durchlauf verfestigte mein Wissen, zudem komprimierte ich die Inhalte auf ein erträgliches und kompaktes Maß.
Diese selbst erstellte Kurszusammenfassung habe ich zwei Wochenenden vor der Zertifizierung mehrmals aufmerksam durchgearbeitet. Der eine oder andere nützliche Input blieb dadurch noch besser im Gedächtnis hängen und ich bekam ein besseres Gefühl über den Gesamtumfang der Zertifizierung.

Lernen mit über 170 Frage-Antwort Karten via Smartphone App

Ein Kollege hatte mir dankenswerterweise eine Liste mit typischen Fragen und Antworten rund um Sitecore zur Verfügung gestellt. Diese Liste habe ich mit den Fragen aus meinen Skill-Tests erweitert, so dass am Ende über 170 Frage- / Antwort-Paare zur Verfügung standen. Zum Glück gibt Sitecore einen Überblick darüber, welche Themengebiete zu welchen Prozentanteilen abgefragt werden. Und an dieser Stelle darf ich verraten, dass sich diese zusammengestellten Fragen rückblickend perfekt für die Zertifizierungsvorbereitung eigneten. Der Kollege machte zudem den genialen Vorschlag die Smartphone App „FlashCards“ einzusetzen. Damit lassen sich eigene Frage- / Antwortkarten importieren und auf dem Smartphone durchspielen.

Der Apphersteller bietet auf seiner Website die Möglichkeit, Frage- und Antwortpaare per Copy & Paste in einen eigenen “Stapel” zu importieren und diesen mit einem Code zu versehen. Diesen Stapel kann man dann in die App importieren und loslegen. Doch Vorsicht: Wer den Code des Stapels kennt, kann diesen auslesen und importieren! Deshalb sollte man einen möglichst kryptischen Code nutzen. Zugriffsschutz sieht anders aus.

Die App „FlashCards“ ist selbsterklärend, allerdings ist die Option „zufällig mischen“ ziemlich versteckt. Ebenfalls hilfreich ist es, die App so einzustellen, dass falsch beantworteten Fragen nochmals durchlaufen werden müssen. Die ersten Durchläufe sind schwieriger, aber mit der Zeit wird man besser. Ich habe drei Wochen vor der Prüfung begonnen und 2-3x täglich ca. 5-15 Minuten die App genutzt: Beim Kaffee kochen, zur Überbrückung von Wartezeiten oder als Lektüre vor dem Zubettgehen.

Die App „FlashCards“ gibt es für iOS und Android und kostet 3,99 EUR. Es lohnt sich!

Durchführung der Zertifizierung

Um die Zertifizierungsprüfung zu absolvieren kann man entweder eines der Prüfungszentren besuchen und unter Aufsicht die Prüfung ablegen. Oder man wählt die Online-Prüfung, bei der eine Aufsichtsperson die Prüfung via Webcam verfolgt, um sicherzugehen, dass kein Tippgeber im Raum anwesend ist.

Ich entschied mich für die Online-Prüfung und vereinbarte über die Website von https://www.webassessor.com/ einen Termin für einen Montagmorgen um 8:00 Uhr. Somit hatte ich das Wochenende zur finalen Vorbereitung und Erholung.  Vor der Prüfung sollte man die Hardware vorbereiten. Dazu gehört das Installieren des Browser Plugins “Sentinal” sowie Tests von Mikrofon und externer Webcam. Es ist alles auf der Prüfungs-Website dokumentiert. Naja, fast alles.

Denn leider lässt sich die Sentinal-Webanwendung nicht im Vorfeld aufrufen und ist erst zum vereinbarten Zeitpunkt für die Dauer der Prüfung klickbar. Wenige Minuten vor der Prüfung bekam ich einen riesigen Schrecken, als beim Aufrufen der Prüfungsanwendung “Sentinal” mein Kopf im Kamera-Fenster zu sehen war und nicht, wie vorgesehen, das Bild der externen Webcam, die den Prüfungsteilnehmer seitlich filmen soll, um so Täuschungsversuche zu unterbinden. In aller Hektik wurde mir klar, dass der Flashplayer in der Anwendung die Default-Kamera nutzen musste und das war in meinem Fall die integrierte Frontkamera meines Laptops und nicht die USB-Webcam. Zu allem Überfluss war die Kamera-Einstellungen im Flashplayer deaktiviert. Zum Glück half es, die Sentinal-Anwendung zu schließen, den Gerätemanager zu öffnen und die integrierte Kamera zu deaktivieren. Beim erneuten Öffnen der Sentinal-Anwendung sah ich das Bild der externen Webcam. Puh, das ging noch mal gut!

Der Test selbst lief ohne Probleme durch und bestand aus 50 Fragen. Für deren Beantwortung hatte ich 90 Minuten Zeit, und ich musste 65 % erreichen. Einzelne Fragen konnte man als “nicht sicher” markieren, um diese dann am Schluss noch einmal einzeln zu beantworten. Die Prüfung ließ sich jederzeit abschließen. Aber dann gab es kein Weg zurück und man wartete gespannt auf die Punktzahl, die kurz danach angezeigt wurde. 90% waren es bei mir. Yes! Mund abwischen, lächeln und ab zum Montagsfrühstück zu den Kollegen.

Die Fragen der Sitecore Zertifizierung deckten nicht nur Themen aus den Schulungsmaterialien ab. Einige Fragen konnte ich nur deshalb beantworten, weil ich schon in einigen Sitecore-Projekten mitgearbeitet hatte. Und ein Teil der Fragen deckte sich mit den Frage-Antwortpaaren aus meiner Flashcard-App. Man kann die Zertifizierungsprüfung übrigens beliebig oft wiederholen, aber jeder zusätzliche Versuch kostet uncoole 300$. Aber mit oben stehender Vorbereitung schafft man es ziemlich sicher beim ersten Mal.

Hier noch ein paar Tipps rund um die Durchführung der Zertifizierung

  • Reserviere dir für den Prüfungstermin einen freien Raum und blocke ihn für 2 Stunden.
  • Wenn du den Prüfungstermin auf der Webassessor-Website verbindlich machst, achte vor allem auf die Uhrzeit, denn es gilt die Zeitzone, die in deinem User-Profil eingestellt ist.
  • Das Tastaturlayout muss nicht auf unbedingt auf Englisch gestellt werden, auch wenn das in der Webassessor-Dokumentation so vorausgesetzt wird.
  • Teste die externe USB-Kamera auf Funktion und richtige Position. Platziere die Webcam am besten links neben dir an die Tischecke auf einen Kaffeebecher, um dich von der Seite filmen zu können. Dein Kopf und das Laptop müssen zu sehen sein. Die Sentinal-Anwendung wird sicherlich zusätzlich noch einen Screencast durchführen.
  • Zusätzlich solltest du dafür sorgen, dass die Frontkamera deaktiviert ist! Denn der Flashplayer in der Sential-Anwendung nutzt die Default-Kamera und das ist standardmäßig die integrierte Frontkamera und nicht die USB-Webcam, die einen ja seitlich filmen soll (um Täuschungsversuche zu verhindern). Also Gerätemanager öffnen und die integrierte Kamera deaktivieren.
  • Die Sential-Prüfungsanwendung ist nur zur vereinbarten Uhrzeit via Launch-Button unter https://www.webassessor.com aufrufbar, vorher nicht.
  • Du solltest nicht zu spät kommen, die Prüfer kennen da keine Gnade. Eine Terminverschiebung ist nur bis zu 72 Stunden vorher kostenfrei möglich.
  • Während der Prüfung ist es untersagt, dass man die Fragen laut vorliest. Weil ich das tat, gab es in der Sentinal-Anwendung die schriftliche Ermahnung “Bitte die Fragen nicht laut vorlesen!”. Die sehen und hören einen also wirklich!

Übrigens: Am Morgen der SUGCON 2018 in Berlin haben sich auch meine Team-Kollegen_in Friederike, Tim-Patrick und Jan-Hendrik Sitecore 9 zertifiziert.Sitecore-Experten von comspace frisch als Sitecore Developer zertifiziert
Viel Erfolg bei deiner Sitecore Zertifzierung!

timabing

Entwickler bei comspace GmbH & Co. KG
Tim Abing arbeitet seit 2017 als Web-Entwickler bei comspace. Sitecore und Scrum sind seine Themen.

2 Antworten auf „Meine Zertifizierung zum "Sitecore® Certified Platform Associate Developer" – ein Erfahrungsbericht“

  1. Hi,
    I am glad that you were able to pass the exam successfully. I also planned to take the exam soon and was wondering if you are willing to share the questions that you have prepared for the exam with me. This will allow me to review the material and see where i stand with the preparation. Please let me know via email.
    Thank you for sharing you experience

    1. Hi Asad. I do not think it’s in the interest of Sitecore to make the questions public or send them by e-mail. I am really sorry that I can not help you.

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