5 Gründe dafür, dass UX-Testessen Quatsch sind

UX-Testessen sind trendiger Scheiß. Coole Menschen treffen sich und tauschen Pizza gegen Informationen. Auf Social Media wird klar, das ist reine Zeitverschwendung. Du weißt es, ich weiß es, jeder weiß es. Hier sind fünf Gründe, warum Du auf gar keinen Fall zu einem Testessen gehen solltest. 

Grund 1: Du kennst Deine Zielgruppen in- und auswendig 

„Das mag doch keiner!“ grunzt Du überzeugt und wischt die Ideen vom Tisch. Du weißt, was Frauen Mitte 50 mit Hunden unter 30 cm Schulterhöhe als Frühstück essen, genauso wie Du weißt, was junge Männer mit Migrationshintergrund von einer Chat-App erwarten. 

Du bist Dir sicher, wo der Hase langläuft und Dein Instinkt hat Dich noch nie getrogen. Außer das eine Mal, als … – egal. Und das andere Mal, als – aber da war das Wetter schuld. Auf Dein Bauchgefühl ist Verlass und Marketingspending, das darauf basiert, hat 40 Jahre gut funktioniert. Gut, Daten dazu gibt es nicht, aber hey, wir sind hier, oder?

Grund 2: Deine Perspektive ist das Maß aller Dinge

Du bist klug und quasi ein Digital Native. Damals, mit dem Netscape Navigator warst Du doch auch Poweruser. Wie dieses Menü benutzt wird? Ist doch völlig klar. „Also, ich versteh den Text sehr gut“. „Ich würde niemals auf diesen Button klicken, also wird das auch keiner machen.“

Wie bitte? Ach, die eine Mutter aus dem Kindergarten ist Webdesignerin und findet das Logo doof. Ja, dann muss das wohl so.

Grund 3: 6 Leute? Das ist doch nicht repräsentativ

Du glaubst nichts, was nicht wenigstens von Statista kommt. Besser ist die individuelle Telefonbefragung bei Emnid. Die letzte hast Du 1997 durchgeführt und predigst die Ergebnisse in jedem Meeting. Den Anfang Deiner Anekdote über das bedeutendste Finding damals (Männer mögen den Geruch von Motoröl) kann jeder aus Deinem Umfeld zitieren.

Du hast im Laufe der Jahrzehnte ein ganzes Framework auf dieser Erkenntnis aufgebaut und träumst immer noch vom „Internet of Smell“. 6 Leute können also gar keine brauchbaren Informationen liefern. Geht ja gar nicht. Das müssen schon 1432 sein, so wie damals.

Grund 4: Die Tester wollen doch nur kostenlos essen

„Was sagt mir denn, dass die Leute nicht nur futtern wollen? Die nehmen das doch gar nicht ernst,“ sagst Du. Dein Menschenbild lässt Spaß an der Sache und Freude am Helfen nicht zu. Vertrauen in das Gute im Menschen? Näh. Die wollen nur Pizza. Für Pizza würden sie alles erzählen.

Grund 5: Customer Centricity ist Quark

„Der Kunde soll mir sagen, was ich mache? Dass ich nicht lache!“ Kunden wissen doch gar nicht, was gut für sie ist. Sie sind Lämmer auf dem Weg zur Schlachtbank und haben grundsätzlich keine Ahnung von nichts. Wenn wir auf Kunden gehört hätten, dann hätten wir kein Auto – die Leute wollten schnellere Kutschen. Die Leute fanden iPads doof und wussten gar nicht, dass sie das gut finden würden. 

Butter bei die Fische

Das ist reine Polemik, klar. Wir hatten vor zwei Wochen das UX-Testessen bei uns zu Gast und es war ein tolles Erlebnis. Nette, engagierte Leute, die Dein Produkt auseinandernehmen und mit dem Finger auf die Schwachstellen zeigen – was könnte es Besseres geben?

Wir haben und die anderen Unternehmen haben viel gelernt und ich persönlich habe gelernt; es gibt keine gute und gleichzeitig so günstige Variante um Dein Produkt zu testen und zumindest die größten Schwachstellen aufzudecken. Wir werden beim nächsten Testessen wieder dabei sein und – wenn es nach mir geht – auch bei allen weiteren. 

Key Learning:

Wer ein Produkt entwickelt, das in irgendeiner Weise von seiner UX lebt (das kann also auch physisch sein) und nicht auf Testessen zu finden ist, der verpasst eine große Chance. 

Wart Ihr schon mal auf einem Testessen? Habt Ihr Betonköpfe in Eurem Umfeld? Was sind Eure Erfahrungen?

Jan Saarmann

Digital Marketing Manager bei comspace GmbH & Co. KG
Öffentlichkeitsbearbeiter, Wortjongleur, SEO und Liebhaber der digitalen Welt – Business: #text, #seo, #marketing, #content | Privat: #family, #imker, #tiere, #hausundhof, #games, #music, #goodfood

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