Was hat Digitale Transformation mit HR zu tun? #ZukunftHR

HR & digitale Transformation - think bigger!

HR & digitale Transformation – think bigger! (c) Veit Mette

Drüben beim Human Resources Manager wurde zum Thema “Was hat HR mit der verdammten digitalen Transformation zu tun?” eine Blogparade gestartet – passend zum Fokusthema Zukunft des Personalmanagementkongresses am 18. und 19. Juni.

Comspace ist ein digitales Unternehmen, wir entwickeln und implementieren zukunftsweisende Technologien und Online-Konzepte für Websites, Online-Shops, Multi-Channel-Lösungen und Kommunikationsplattformen. Digitale Transformation ist also genau unser Ding :) Die Frage, was “das alles” mit HR zu tun hat, möchte ich hier aus unserer Sicht beantworten und gleichzeitig einige Vermutungen zu der zukünftigen HR-Arbeit aufstellen:

Aktuelle HR-Themen bei comspace

In den vergangenen Monaten haben wir uns bei comspace mit vielen HR-Themen beschäftigt, die für uns Neuland waren: Wir haben uns (und vor allem unsere Kollegen_innen!) gefragt, was es bedeutet, ein “GOODplace” zu sein und was einen familienfreundlichen Arbeitgeber ausmacht. Wir haben begonnen, unser Profil als Arbeitgeber zu schärfen und authentisch zu kommunizieren, indem wir z.B. unsere Bewerberkommunikation persönlicher gestaltet haben. Außerdem hat uns der Film “Augenhöhe” inspiriert, der einen (längst überfälligen) Dialog zur Zukunft der Arbeitswelt anregen möchte. (Übrigens: Auf die heutige Vorführung in Bielefeld, organisiert vom IME und Die Talent-Werker, freuen wir uns jetzt schon!:))

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Das Fernsehen war da:) WDR-Beitrag zum Feelgood Management bei comspace

Diese Themen haben gemeinsam, dass sie Zukunftsthemen des HR sind. Bereits jetzt geht es immer weniger um rein administrative Personalaufgaben. Die Digitalisierung im Personalbereich sorgt zunehmend dafür, dass Verwaltungsaufgaben (z.B. die Gehaltsabrechnung) ausgelagert werden können oder mehrere Personen in HR-Aufgaben involviert sind, wie z.B. in das Führen von Vorstellungsgesprächen “auf Augenhöhe” mit den zukünftigen Teamkollegen_innen. HR in der reinen Funktion als Verwalter macht sich damit zwangsläufig irgendwann überflüssig, wie auch die Session zur “Zukunft des HRM” von Peter M. Wald auf dem Berliner HR Barcamp widergespiegelt hat.

Für uns hat das jetzt schon Auswirkungen auf das tägliche Arbeiten:

Personalentwicklung

Die Digitalisierung bringt Flexibilität in die tägliche (HR-)Arbeit und ermöglicht neue Arten des Lernens. Das flexible, zeitlich und räumlich unabhängige, eigenverantwortliche Arbeiten ändert aber auch die  Anforderungen an Kollegen_innen.

Kompetenzen die aus unserer Sicht in Zukunft immer wichtiger werden:

Das Unternehmerforum OWL widmet der Frage “Hat die Personalentwicklung noch eine Zukunft?” demnächst sogar eine eigene OpenSpace Veranstaltung. Ohne der Veranstaltung vorgreifen zu wollen, denke ich, dass die PE eine Zukunft haben kann, aber sie wird sich ändern müssen. Der Weg muss wegführen von starren Entwicklungspfaden und festgeschriebenen Seminarkatalogen. PE kann zukunftsfähig sein (meint auch Frank Edelkraut in seinem Gastbeitrag im Human Resources Manager), wenn sie zunehmend auf selbstbestimmte und individuelle Weiterentwicklung der Mitarbeiter_innen und einen ausgewogenen Mix an Lernformaten setzt. HR muss hierbei die Rolle als Lerncoach einnehmen und die Selbstlernkompetenz der Kollegen_innen fördern.

Wie die PE 4.0 bei comspace bereits aussieht:

  • Unsere Entwickler-Teams absolvieren ausgewählte Trainings unserer Partner-Technologien als Webinar während der Arbeitszeit.
  • Unser Kollege John lässt sich in einem Blended Learning-Kurs der IHK zum Ausbilder ausbilden.
  • Zwei Kolleginnen absolvieren neben dem Beruf ein Online-Fernstudium.
  • Von Barcamps oder der re:publica bloggen wir über Erkenntnisse und stellen für uns interessante Dokumente auf unserem tumblr Account online.
  • Alle besuchten Weiterbildungen dokumentieren wir in unserem digitalen Personal-Tool “SimOffice”, in dem alle Kollegen_innen neben ihren vertraulichen Personaldaten auch eine allgemeine Übersicht aller besuchten Veranstaltungen einsehen können.

Recruiting – Hire for attitude, train for skills!

Wenn sich im Zuge der digitalen Transformation die Anforderungen an Mitarbeiterkompetenzen verändern, müssen Unternehmen auch ihre Auswahlkriterien im Recruiting überdenken. Die Digitalisierung ermöglicht zunehmend flexible Arbeitsformen und -zeiten, lineare Lebensläufe oder den lebenslangen Arbeitgeber wird es in Zukunft immer weniger geben.

Hinzu kommen die Folgen des demografischen Wandels. Der Fachkräftemangel? Nicht, wenn man Martin Gaedt glaubt, der sagt, Fachkräftemangel sei ein Mythos. Vielmehr ist es ein verschobenes Verhältnis von Arbeitgebern und Arbeitnehmern. (Oder sind wir sowieso nicht alle nur Kollegen_innen, Wertschaffende oder Beteiligte?!) In Zukunft werden sich die Unternehmen um die Bewerber_innen bemühen müssen. Eine positive(!) Candidate Experience im Bewerbungsprozess ist hierbei das Mindeste, findet auch Henner Knabenreich in seinem Blog personalmarketing2Null. Die digitale Transformation ermöglicht Unternehmen viel mehr Wege, Recruiting digital, zeitsparend und trotzdem individuell sowie persönlich zu gestalten. Die Stapel an Bewerbungsmappen schrumpfen, Tools zur Bewerberverwaltung erleichtern den Recrutingprozess und digitale Kommunikationsmittel erleichtern eine individuelle Bewerberkommunikation.

Wie uns die Digitalisierung beim Recruting bereits hilft:

  • Über unser eigenes Bewerbertools steuern wir den Bewerbungsprozess intern und die Kommunikation mit dem Bewerber oder der Bewerberin. Das spart Zeit und ist ganz nebenbei noch nachhaltig.
  • Wir nutzen digitale Kanäle wie Twitter, Facebook und unseren Corporate Blog, um potenzielle Bewerber auf uns aufmerksam zu machen, über Neuigkeiten zum Unternehmen zu informieren oder in Kontakt zu bleiben, falls es mal nicht gleich mit einer Zusammenarbeit geklappt hat.
  • Seit einem Monat sammeln wir erste Erfahrungen mit dem Employer Branding Profil auf kununu und XING, um den Nutzen für unser Recruiting zu testen.

Wissensmanagement

Die digitale Transformation hat einen direkten Einfluss auf unseren Zugang zu und die Dokumentation von Wissen. Die Digitalisierung ermöglicht grenzenlose Vernetzung und Wissensaustausch. Dadurch lösen sich Wissensmonopole, damit verbundene Statusansprüche und Konkurrenzdenken auf. Arbeit wird immer mehr zur Wissensarbeit (oder wie es mein Kollege Alex kürzlich als “Der Golfplatz des kleinen Mannes” beschrieben hat) und Wissen wird zu einem kollektiven Gut, das auf Barcamps, in Blogs und MOOCs geteilt wird. Unternehmen können die digitalen Möglichkeiten nutzen, um das “kostbare Gut” Wissen zu dokumentieren, aktualisieren und allen Mitarbeitern_innen zugänglich zu machen. Das erleichtert viele HR-Prozesse enorm, wie z.B. die fachliche Einarbeitung neuer Mitarbeiter_innen, die Dokumentation von erworbenem Wissen und den Wissenserhalt bei Ausscheiden eines Mitarbeiters oder einer Mitarbeiterin.

Comspace Februar 2015

Wissensmanagement analog & digital bei comspace (c) Veit Mette

Wie Wissensmanagement 4.0 bei comspace funktioniert

In unserer Unternehmensstrategie haben wir das Ziel formuliert, eine lernende Organisation zu werden, die ihr Wissen in sämtlichen Disziplinen aktuell hält und weiter entwickelt. Konkret bedeutet das schon jetzt für uns:

  • Im Onboarding nutzen wir dafür ein digitales Mitarbeiterhandbuch, in dem wichtige Fakten & Infos zum Arbeiten bei comspace festgehalten sind.
  • Für die transparente Dokumentation interner Themen, Arbeitsabläufe und Informationen pflegen wir ein internes Wiki.
  • Wir arbeiten überwiegend in virtuell gespeicherten Dokumenten, die von allen Kollegen_innen eingesehen und bearbeitet werden können.
  • Auch der HR-Wissensarbeiter profitiert von der digitalen Entwicklung: HR-Blogs sind aktuelle Informationsquellen und HR-Veranstaltungen (wie z.B. das HR Barcamp in Berlin) werden detailliert online dokumentiert.

HR: Von Human Resources zu Humans Relations

Unter der Abkürzung HR verbirgt sich in den meisten Fällen (und noch zu vielen Köpfen), der Begriff “Human Resources”. Doch mittlerweile plädieren nicht nur die Initiatoren der Blogparade für eine Neuinterpreation: HR = Human Relations. Diese Umdeutung vom Managen menschlicher Ressourcen hin zu menschlichen Beziehungen ist dabei viel mehr als ein Wortspiel, nämlich ein klares Bekenntnis für die Auffassung der modernen Personalarbeit. Es geht um Menschen, um ihre Beziehungen untereinander und zu dem Unternehmen für das an dem sie arbeiten. Im modernen Human Relations Management geht es um die Gestaltung einer optimalen Arbeits- und Beziehungskultur und darum, Rahmenbedingungen der täglichen Zusammenarbeit vorzugeben, wie es Continental als eines der ersten traditionellen Unternehmen umgesetzt und genau so wie es Christoph Keese im Silicon Valley erlebt hat:

Menschen werden kreativ, wenn sie beruflich so arbeiten dürfen, wie sie privat leben: eng verwoben, in freundschaftlichem Abstand, im ständigen Dialog, im freien Spiel der Ideen, ohne Angst vor Bestrafung durch eine höhere Instanz.

Für comspace war eine wichtige Konsequenz daraus, eine eigene Funktion für die Umsetzung unserer Unternehmenswerte und die Pflege unserer Arbeitskultur zu schaffen – unsere Feelgood Managerin Sarah. Einen lesenswerten Einblick in ihre persönliche Wahrnehmung vom Feelgood Management hat kürzlich meine Kollegin Ann-Kathrin in unsrem Blog geschrieben.

Die digitale Transformation minimiert viele administrative Aufgaben und lässt Raum für mehr strategische und menschliche Themen in der HR-Arbeit. In Zukunft geht es bei HR (fast) nicht mehr um Personaldatenverwaltung, Personalbeschaffung oder die Organisation von Personalentwicklungsmaßnahmen.

Doch jetzt geht es darum, fortschrittsfähige und gesunde Arbeitswelten zu bauen und mitzuhelfen die Akteure darauf vorzubereiten.“

(Thomas Sattelberger beim Zukunftsforum Personal 2014)

Die digitale Transformation bietet uns dabei viele spannende Möglichkeiten für innovatives und zukunftsfähiges “Human Relations 4.0”. Nutzen wir sie! :)

Aktuelle Beiträge zur Blogparade:

Über Sarah Biendarra

Ist im Bereich Human Relations für Employer Branding, Recruiting, und Weiterbildung zuständig.
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Kommentare

  1. meint

    Vielen Dank für diesen Einblick in ein best practise Beispiel. Es ist immer interessant, zu erfahren, mit welchen Tools und Methoden Human Relations gestaltet werden. In einem Punkt würde ich dir allerdings widersprechen. Präsenzseminare haben auch in einer agilen Personalentwicklung ihren Platz.

    • Sarah Biendarra meint

      Hallo Daniel,
      danke für dein Feedback!
      Ich stimme dir zu, dass Präsenzseminare immer sinnvoll sein werden. Deswegen auch meine Formulierung vom „ausgewogenen Mix an Lernformaten“:)
      Digitale Lernformate werden sich zunehmend etablieren, aber auch die Personalentwicklung proftiert von Diversität.
      Beste Grüße, Sarah

  2. meint

    Liebe Sarah,

    ich finde die Wortveränderung bei HR von Human Resources in Human Relations toll und schon längst überfällig.

    Resourcen sehe ich im allgemeinen sowieso als Material und nicht als Menschen an. Evtl. Haarspalterei aber Human Relations trifft´s auf den Punkt.

    Beziehungen unter den Mitarbeitern sind das A und O im Unternehmen. Hier kann man mit Achtsamkeit, Authentizität, Empathie und Wertschätzung ganz viel erreichen. Sowohl für die einzelnen Mitarbeiter, als auch für das Unternehmensklima allgemein.

    Wenn dann auch noch Fehlertoleranz durch die Inhaber und leitenden Angestellten dazu kommt dürfte einem langfristigen Unternehmenserfolg nichts mehr im Wege stehen. Speziell das Thema Fehlertoleranz habe ich in einem Blogbeitrag behandelt: http://bit.ly/1b9hJ1d

    Weiterhin VIEL Erfolg bei Ihrem tollen Blog liebe Sarah!

    Beste Grüße

    Mario

    • Sarah Biendarra meint

      Hallo Mario,

      besten Dank für dein Feedback.
      Fehlertoleranz ist ein wichtiger Faktor, um innovationsfähig zu sein bzw. zu bleiben. Ich finde sogar, dass nicht nur Inhaber und Führungskräfte, sondern ALLE Mitarbeiter_innen tolerant mit Fehlern umgehen sollten, um zukunftsfähig und gemeinschaftlich zu arbeiten.

      Viele Grüße aus Bielefeld,
      Sarah

  3. meint

    Hallo Sarah,

    habe deinen Artikel gerade erst gesehen.

    Da ich selbst unseren Blog verwalte und mit Inhalt fülle, kann ich mir vorstellen wie viel Arbeit du in deinen Beitrag gesteckt hast.

    Ich will gar nicht so sehr ins Detail gehen und wollte dir auf diesem Weg nur mitteilen, das ich deinen Beitrag genau so unterschreiben würde. Klasse Beschreibung der zukünftigen Herausforderungen und Aufgaben die sich u.a. HR stellen muss.

    Freuen uns schon auf die weitere gemeinsame Gestaltung der Arbeitswelt in OWL :).

    Beste Grüße
    Timm

    • Sarah Biendarra meint

      Hi Timm,

      danke für dein Feedback.
      Ich freue mich, dass viele meiner Vermutungen auf Zuspruch stoßen.
      Umso besser, dass comspace und die Talent Werker das Zukunftsthema Human Relations gemeinsam angehen. :)

      Viele Grüße & bis bald,
      Sarah

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