Cash! Cash. Cash? Ein republica Rückblick 2023


2022 hieß es noch:  “Anywhere the wind blows”, ein offenes, lockeres Motto, leichtfüßig. Die Eröffnungsfeier emotionalisierte mit Musik, warmen Worten, Corona war noch nicht vorbei.. 

2023: Cash, cash, cash! Bam, bam, bam! Ein überraschendes Motto.
Neonfarben, Preisschilder, Einkaufskörbe. Direkt das Grelle, das Laute. Die re:publica, ein Supermarkt? Oder ein super Markt?
Teils ironisch, teils ernsthaft wird der digitale Markt mit seinen Abgründe und seinen Chancen in den nächsten Tagen auftauchen. In den Talks, Panels, Arbeitsgruppen rund um diese re:publica wimmelt es vor Themen rund um Cryptowährung, Bargeld und alternative Zahlungsmittel.


Ich brauchte ein wenig, um meine Nischen zu finden. Zu verstehen, warum es jetzt grad wichtig ist, über Geld zu reden. 

Ein Augenöffner war der Vortrag von Maja Göpel

Geld ist eine soziale Praktik 

Stimmt. Ganz vergessen. “Cash ist kein Gegenstand, sondern vor allem menschgemachtes Kooperationsinstrument. Eine soziale Technologie.”
War auch mal ‘ne gute Idee, weil so niemand mehr mit seiner Butter herumlaufen musste, bis er oder sie die andere Person gefunden hatte, die dafür Kräuter hergeben wollte. Ein Tauschmittel, eine Vereinfachung. 
Wie ist es passiert, dass diese soziale Praktik ein Instrument der Ausgrenzung von gesellschaftlichen Gruppen wurde?

Ist es arrogant zu glauben, dass wir weg vom Bargeld kommen müssen, können, sollen und ein weiterer Hebel in einer Maschine, die darauf aus ist, Menschen die Teilhabe zu entziehen?

Brett Scott würde das unterstützen. Verständlich und anschaulich schilderte er im “Luddite’s Guide to Defending Cash” seine Bedenken. Ahnlich wie die Ludditen, die gegen eine Verschlechterung ihrer Lebensbedingung durch den Einsatz neuer Maschinen, teils auch gewaltsam, protestiert haben, ist Scott gegen eine komplette Ablösung des Bargelds. In seinen Büchern und Reden vertritt er diese Auffassung vehement und legt Narrative offen, die eine “Cashless Society” als Heilsbringer propagieren, dabei aber nur wenige reich machen und alternativlos sein wollen.
Cash ist für ihn das Fahrrad. Na klar, das Auto ist schneller, oder die Bahn vielleicht komfortabler. Vielleicht habe ich aber auch nur das kleine, klapperige Rad und/oder, vielleicht WILL ich es benutzen, weil ich die Nachteile der anderen Verkehrsmittel kenne. Die Freiheit sollte der Mensch nach Scott haben und behalten. 

Die digitale Gesellschaft, ein Einkaufsparadies? 

Wie können wir es erreichen, nicht mehr manipuliert zu werden? Christiane Rohleder, Christian Kroll, Maike Gossen, Christine Plote, Carla Hustedt stehen Rede und Antwort im Talk: “Der Einfluss von digitaler Werbung auf Umwelt und Gesellschaft: Wie Algorithmen den Konsum steigern, was das für uns bedeutet und an welchen Alternativen gearbeitet wird.”
Realtime-Winning, dieses Zauberwort in den Ohren der Unternehmen, der Modekonzerne, was macht das eigentlich mit uns? 

Ich persönlich weigere mich, den Menschen als willenloser Spielball der Marketing-Industrie anzusehen.
Andererseits bekomme so erstaunlich passende Werbung angezeigt, dass mir manchmal ganz schwindelig wird und die eine oder andere Konsumentscheidung doch beschleunigt wird. Trotz besten Wissens über die Endlichkeit unserer Ressourcen und manchen Folgen von Konsum für unsere (Um-)Welt. 
Im Talk fragten sich die Teilgebenden, was gegen die Monopolstellung von Google unternommen werden könnte und ob wir Menschen überhaupt wollen, dass etwas unternommen wird?
Die Wahrheit ist, laut Ecosia Mitbegründer Christian Kroll:

“Sie wissen nicht, dass sie eine Wahl hätten, weil sie aktuell keine Wahl haben.”
Weder als Marketer, noch als Konsument kommst du momentan an Google vorbei. 
Ecosia pflanzt Bäume, wenn du dich für diese Suchmaschine entscheidest. Ist das die Lösung? Es ist ein Ansatz. 

Spannend in pupncto nachhaltige Suchmaschine sind die Einblicke in das Forschungsprojekt Green Consumption Assistent, ein unterstützendes Tool, welches helfen soll, nachhaltige Kaufentscheidungen zu treffen. 
Cash, Cash, Cash… wenn es umsonst ist, bist du das Produkt


Nicht nur Produkte sondern auch Produktivität hab ich gefunden, unter anderem bei den Aktivist*innen und Künstler*innen auf der re:publica mit dem Talk:

Speculative Ecologies: Art and Science Collaborations in the Anthropocene

Künstler reagieren vermehrt auf ökologische Notfälle wie die vom Menschen verursachte Klimakrise oder den Verlust der biologischen Vielfalt. Probleme, die direkte Folgen der Umweltzerstörung sind, die durch den heutigen, auf fossilen Brennstoffen basierenden Kapitalismus verursacht werden. Einige davon werden auf der re:publica 2023 sichtbar. 


Pinar Yilmaz und Maria Antonia Gonzalez agieren als hybride Praktikerinnen an der Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft und gestalten Kooperationen mit Wissenschaftler*innen,  Umweltaktivist*innen, Philosoph*innen und Kurator*innen. Die Künstlerinnen verstehen sich als aktive Öko-Aktivistinnen und suchen gestalterisch die nachhaltigere Zukunft. Gar nicht so sehr Cash, sondern mehr Kunst in ihrer ursprünglichsten Form, der (Mit-)Gestaltung.

#humanartists: Die Anthropomorphisierung von Künstlicher Intelligenz in der Kunst


Prof. Marion Plank, Professorin für Game Art an der IU International University, geht es darum, die menschliche Kreativität als ganz eigenen, komplexen Schöpfungsakt, der von KI (noch) nicht nachgeahmt werden kann, zu beschreiben.

Und es geht ihr um uns Menschen, die wir geneigt sind, unseren Staubsaugerroboter verniedlichen und personifizierend Staubi zu nennen.
Aber nicht nur ÜBER unsere elektronischen Geräte sprechen wir, als wären sie menschlich, sondern auch ZU ihnen.
“Alexa, verdammt noch mal, nicht dieser Song, kapier es doch endlich!” Meine ich nun meine Tochter, die zum 100sten Mal einen TikTok Trend Song abspielt und meine Nerven strapaziert, oder möchte ich eine KI darauf hinweisen, dass sie nicht so funktioniert, wie ich das gern hätte?

Wir sollten möglichst “Das Kind beim Namen nennen”, wenn wir von KI sprechen, sagt Marion Plank, auf TikTok zu sehen unter Prof.Marion, und benutzt dabei doch diese ganz besonders menschliche und auf das Menschliche verweisende Redewendung. Ertappt! Insgesamt macht sie sich dafür stark, dass die abertausende Bilddaten, auf die aktuelle Plattformen wie midjourney und Co zurückgreifen, nicht kostenfrei genutzt werden sollten, sondern die Rechte immer noch bei den jeweiligen menschlichen Künstlern liegen.
 

Viele Impulse und Ideen hab ich mitgenommen und natürlich einen Star getroffen.
Sie ist zugleich Kunstwerk und auch Künstlerin, immer informierend und uns allen lieb und teuer, meine Damen und Herren: hier kommt die Maus!

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